Die Gruppe in uns – kurze Essays (Faschismus)

Menschen haben auf der Erde über Hunderttausende von Jahren überlebt, weil wir uns in Gruppen organisiert haben und dieses Konzept, offensichtlich erfolgreich war.

Ein einzelner Mensch braucht die Gruppe, die Gruppe braucht nicht unbedingt den Einzelnen.

Verschiedene Betrachtungen zur Gruppe.

Gruppen und rechts-nationalistische, autoritäre Führung/Faschismus

Wie kommt es, dass eine Gruppe selbst bis zur Größe einer Nation so leicht einem rechts-nationalistischen Programm verfällt und deren Führern folgt? Warum gewinnen in schwierigen Zeiten die einfachen und primitiven Lösungen immer gegen die viel besseren aber komplizierten Lösungen? Auch hier spielen die Gruppeninstinkte des Menschen eine entscheidende Rolle. Fühlt sich eine Gruppe Menschen in Sicherheit und gut versorgt, dann entspannen sich die Mitglieder. Jene Gruppeninstinkte, die die Gruppe zusammenhalten und schützen sollen, werden kaum angesprochen, da dieser Schutz ja aktuell nicht benötigt wird. So wie sich bei vollem Bauch kein Appetit oder Hunger zeigt.

Sobald aber reale oder empfundene Gefahren die Gruppe zu bedrohen scheinen, erwachen unsere primitiven Instinkte. Die Gruppe schließt sich, wir werden gruppenfremden Menschen gegenüber misstrauisch, feindlich und empfinden keine Empathie. In unserer Gruppe müssen sich die Reihen schließen; Dissens ist gefährlich. Selbst der Glaube in unserer Gruppe schaltet sich gleich. Wir suchen Führer, die den kleinsten gemeinsamen Nenner vertreten: Dieser bedient fast ausschließlich die primitiven Instinkte, die in uns stecken und immer funktionieren, je größer die reale oder empfundene Bedrohung, umso stärker werden diese Instinkte geweckt. Einzelne in der Gruppe, die den Zusammenhalt und die Gleichschaltung in Frage stellen werden sanktioniert, vertrieben, bestraft; sind nicht mehr Teil der Gruppe und erfahren auch keine Empathie mehr. Fremde Menschen und Gruppen werden zu äußeren Feinden, machen Angst und werden bekämpft. Die Führer einer jeden Gruppe werden durch Bedrohungen immer mächtiger, profitieren persönlich davon und wollen ihre Macht erhalten oder ausbauen.

Im Vergleich schneiden Konzepte, die sich inhaltlich und differenziert mit Bedrohungen auseinandersetzen sehr schlecht ab, denn sie führen unweigerlich zu einer Diversifizierung innerhalb der Gruppe: das Gegenteil also von einer engen, gleichgeschalteten Gruppe. Um komplizierte Probleme zu lösen, müssen alle Meinungen gehört werden, viele Lösungsansätze in Betracht gezogen werden und die Interessen fremder Gruppen und die Kooperation mit diesen berücksichtigt werden. Statt eines Führers gibt es mehrere, die die Gruppe spalten.

Konzepte der „Linken“ und intellektuellen, differenzierten Menschen/Parteien widersprechen also direkt unseren Gruppeninstinkten und scheitern regelmäßig angesichts von aufkommenden Problemen und Bedrohungen.

Unsere Gruppeninstinkte stammen aus einer Zeit zu der der Kampf, Aggressivität und Gleichschaltung die besten Konzepte für das Überleben der Gruppe waren. Inzwischen sind diese Instinkte nicht mehr hilfreich sondern äußerst destruktiv und sollten durch unseren Intellekt und Bildung übersteuert werden. Die Analogie zu Hunger/Appetit wäre wohl: Eine Gruppe von Menschen hat großen Hunger. Ihnen bieten die Rechts-Nationalisten/Faschisten Knödel und Eisbein, auch Torte und Eiscreme. Während die Intellektuellen die Vorzüge von rohem Gemüse, Bio-Produkten, Haferschleim und Soja diskutiert und empfiehlt. Worauf werden sich die hungrigen Menschen stürzen? Wählen sie das Gesunde und nachhaltige?