Die Gruppe in uns – kurze Essays (Glaube)

Menschen haben auf der Erde über Hunderttausende von Jahren überlebt, weil wir uns in Gruppen organisiert haben und dieses Konzept, offensichtlich erfolgreich war.

Ein einzelner Mensch braucht die Gruppe, die Gruppe braucht nicht unbedingt den Einzelnen.

Verschiedene Betrachtungen zur Gruppe.

Gruppen und Glaube

In uns ist der Glaube. Der Glaube ist in uns: Wir sind glaubende Wesen, weil es in uns steckt: genau wie die Angst, der Hunger, Aggression, Mitgefühl und sexuelle Triebe, etc.

Wir sind in der Lage an alles Mögliche zu glauben, an Talisman, Weihnachtsmann und vor allem an höhere Wesen. Die Menschen einer Gruppe glauben überwiegend an das Gleiche und je mehr Menschen in der Gruppe das Gleiche glauben, umso mehr festigt und verstärkt sich dieser Glaube bei jedem einzelnen. Glauben ist nicht Wissen. Ich stelle mir eine Gruppe von Menschen vor, die vor Problemen steht und eine wichtige Entscheidung treffen muss: Z.B. soll die Gruppe in die Berge laufen oder in das Tal. Ihr Wissen hilft bei dieser Entscheidung nicht weiter. Wir können uns leicht vorstellen, dass ein Teil der Gruppe eher ins Tal will und ein anderer Teil in die Berge. Dadurch würde die Gruppe geteilt und jeder Teil wäre ohne den anderen Teil geschwächt und gefährdet. Dass eine Gruppe bei verschiedensten Herausforderungen zusammenblieb, und nicht in immer kleinere Teile zersplitterte, war, über fast die gesamte Zeit der menschlichen Entwicklung hinweg, überlebenswichtig. Genau hier kommt nun der Glaube ins Spiel. Glaubt die Gruppe z.B. an die Form der Wolken, dann schauen sie in den Himmel und erkennen alle gemeinsam ein Zeichen der Wolken, das Ihnen den Weg weist. Damit herrscht Konsens in der Gruppe, alle gehen den gleichen Weg und bleiben zusammen. Der Glaube ist eine wesentliche Vorraussetzung für das Bestehen und damit für die Existenz einer Gruppe.

Wir müssen Glauben, weil es in uns ist. Sobald unser Wissen nicht hilft, greifen wir auf den Glauben zurück, weil der Zusammenhalt der Gruppe an erster Stelle stand.

Der Glaube an höhere Wesen ist praktisch, da wir damit einen Bogen vom Glauben zum Wissen spannen können. Religion und Götter sind hilfreich weil sie unseren Glauben in Anweisungen und Regeln bündeln. Auch die Wahl eines Gruppenmitglieds, als Hohepriester, war sinnvoll, um den Glauben, insbesondere von größeren Gruppen, zu harmonisieren und um eine Entscheidungsinstanz zu haben. Verständlich auch, dass sich Hohepriester zunehmend, der Ihnen gegebenen Macht für eigene Zwecke bedienten. Daraus erwuchsen Religionen und feste Glaubensgemeinschaften. Der Gruppenzusammenhalt und die Führung der Gruppe ist umso stärker, je klarer und einfacher der Glaube ist, da ein Konsens in der Gruppe so wichtig ist und wiederum den Glauben stärkt.

Folgerichtig ist es auch einfacher für eine Gruppe nur an einen Gott zu glauben. Das ist viel leichter und homogener als an viele. Wie ein Cremetörtchen die ultimative Antwort auf Hunger sein mag, befriedigt der eine Gott am leichtesten den Glauben einer Gruppe. In jedem Fall erklärt diese Betrachtungsweise warum Götter für den Menschen existieren müssen und warum es kaum ohne Götter geht: Nicht der Gott selbst existiert, sondern unser Glauben erschafft uns den Gott fast zwangsläufig.